Gedanken zum Begriff „Heimat“

von Dr. Klaus Peter Schumann, Stadtheimatpfleger

Seit einigen Jahren erlebt der Begriff „Heimat“ eine gesellschaftliche Renaissance. Im Gefolge der Studentenbewegung von 1968 als verpönt, rückwärtsgewandt und nostalgisch-kitschig, miefig und provinziell verschrien, gar mit den deutsch-tümelnden Versatzstücken der NS-Ideologie und der national-konservativen Heimatschutzbewegung der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und deren späten Ausläufern in den so genannten Heimatfilmen im falschen Schein gesellschaftlicher Restauration während der Adenauer-Zeit assoziiert, kam es in den Jahren nach der Jahrtausendwende bereits zu ersten Anzeichen eines Wandels in der gesellschaftlichen Wahrnehmung dieses ur-deutschen Begriffs. Historiker und Philosophen, Literaturwissenschaftler und Feuilletonisten entdeckten urplötzlich – so scheint es – den Begriff „Heimat“ neu -oder sollte man sagen wieder –, definierten ihn um im Sinne postmoderner Beliebigkeit und machten ihn damit aber auch wieder gesellschaftlich salonfähig. „Was ist Heimat? Wo man mich versteht“, schrieb – um nur ein Beispiel zu nennen – Spiegel-Redakteur Stefan Kuzmany im April 2012, um schließlich zu dem Ergebnis zu gelangen: „Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl.“ Und erst vor wenigen Wochen übermannten den sich sonst eher nüchtern gebenden Bayern-Trainer Josef („Jupp“) Heynckes nach seinem vermutlichen letzten Auswärtsspiel als Coach gegen „seinen“ heimatlichen Verein, die altberühmte „Borussia“ aus Mönchen-Gladbach, die Tränen, und er begründete den unerwarteten emotionalen Ausbruch vor den laufenden Kameras mit den Worten, „weil das meine Heimat ist“.

Heimat entsteht“, nach Stefan Kuzmany immer dann, „wenn man die Fähigkeit hat, sich wohl zu fühlen dort, wo man ist. Wer das nicht kann, ist nie daheim – selbst wenn er seinen Geburtsort nie verlassen hat.“ „Heimat“ ist demzufolge also dort, „wo mich die Menschen verstehen, wo ich mich nicht verstellen muss, wo Leute sind, die ich mag und die mich mögen, da bin ich daheim“ – an sich keine neue Definition des Heimatbegriffs, eher eine Abwandlung des lateinischen „Ubi bene, ibi patria“ – „wo es mir gut geht, da ist meine Heimat“, das wussten schon die alten Römer vor über zweitausend Jahren.

In diesem Sinne versteht sich auch der „Arbeitskreis für Heimatpflege der Stadt Bad Oeynhausen“, der im kommenden Jahr auf sein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken wird, als heimatnah und weltoffen zugleich. Der Arbeitskreis entstand im Jahre 1974 mit Unterstützung der Stadt Bad Oeynhausen unter der Leitung des damaligen Stadtheimatpflegers und späteren Stadtarchivars Gerhard Bartling (†). Heimatkundlich und historisch interessierte engagierte Bürgerinnen und Bürger aus allen Stadtteilen arbeiten seitdem ehrenamtlich in den vielfältigen Aufgabenbereichen des Arbeitskreises mit, der von 1990 bis 2011 nacheinander von den jeweiligen Stadtheimatpflegern Dr. Johannes H. Henke und Rico Quaschny geleitet wurde. Seit Sommer 2005 ist der „Arbeitskreis für Heimatpflege der Stadt Bad Oeynhausen e.V.“ – so sein offizieller Name – ein eingetragener Verein und als solcher gemeinnützig anerkannt worden. Mitgliedsbeiträge und Spenden können steuerlich geltend gemacht werden.

Ziel des Vereins ist die Förderung der Heimatpflege, der Heimatkunde, der lokalen Geschichtsforschung, des heimatlichen Brauchtums, des Denkmalschutzes sowie des Natur- und Umweltschutzes in der Stadt Bad Oeynhausen. Diese Ziele sollen insbesondere erreicht werden durch Aufklärung und Informationsvermittlung der Mitglieder und der Öffentlichkeit, durch die Durchführung von Projekten, Vorträgen, Veranstaltungen und Exkursionen sowie durch die Herausgabe von zwei wissenschaftlichen Publikationsreihen, den „Beiträgen zur Heimatkunde“ und der Reihe „Geschichte im unteren Werretal“, beide in Kooperation mit dem Heimatverein der Stadt Löhne e.V. und den Stadtarchiven Löhne und Bad Oeynhausen. Zudem strebt der Arbeitskreis eine enge Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Körperschaften, Verbänden, Organisationen und öffentlich-rechtlichen Trägern, die gleiche oder ähnliche Ziele verfolgen, sowie deren ideelle, materielle und finanzielle Unterstützung an. Genannt seien hier beispielsweise die örtlichen Heimatverein in Bad Oeynhausen und das hiesige Stadtarchiv.

Neben der bereits seit 2008 unter dem Vorsitz des derzeitigen Stadtheimatpflegers Dr. Klaus Peter Schumann bestehenden „Arbeitsgruppe für Denkmalschutz und Baukultur“, die sich vor allem öffentlich für die Erhaltung des historisch gewachsenen Stadtbildes von Bad Oeynhausen und die Bewahrung des Charakters der Badestadt als Kurort einsetzt, hat sich vor wenigen Wochen eine weitere, vom stellvertretenden Vorsitzenden Horst Brönstrup geleitete Arbeitsgruppe „Bülowbrunnen“ gebildet, die sich die Pflege dieses ältesten technischen Baudenkmals der Stadt zum Ziel gesetzt hat und künftig in den Sommermonaten sachkundige Führungen durch das Gebäude anbieten wird (das WB berichtete).

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